Die praktische Philosophie

Wir haben die Ressourcen unseres Heimatplaneten im Verlauf der Evolution reichlich ausgenutzt und enorme Fortschritte auf wissenschaftlichem Gebiet gemacht, auch um das persönliche Wohlergehen zu verbessern. Wir möchten glücklich sein, doch diesem herzerfrischenden Zustand sind wir im Großen und Ganzen nicht näher gekommen, sondern haben uns vielfach in gedankliche Muster aus Leid und Unfrieden verstrickt.

Tatsächlich ist unser Zusammenleben nicht immer einvernehmlich - die religiösen Auseinandersetzungen sind nur ein Beispiel unserer gegenseitigen Abspaltung, die keine reine Lebensfreude aufkommen lässt. Im Bezug auf das Christentum äußert sich der Philosoph Friedrich Nietzsche zu Recht: „Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne: erlöster müssten mir seine Jünger aussehen!“

Wahrhaftig sind wir alle Kinder Gottes und können ein erlöstes Dasein im lebendigen Jetzt führen. Wenn wir uns selbst ein Licht sind, können keine egoistischen Sandkörner mehr in das Getriebe des harmonischen Miteinanders geraten, erst dann läuft die Zwischenmenschlichkeit rund. Hier kommt die philosophische Praxis ins Spiel, um den Blickwinkel zu erweitern und verschiedene Standpunkte unter einen Hut zu bringen.

Die praktische Philosophie strebt nach Erkenntnisgewinn und bietet interessierten Menschen an, offenherzig über Gott und die Welt (über das Unsagbare und Sagbare) zu diskutieren. Sie ist durch ihre besondere Herangehensweise ein gutes Lösungsmittel für sämtliche Fragen, die Natur und Umwelt, Ethik und Verhalten, Gesellschaft und Soziales sowie essentielle Themenkreise des menschlichen Daseins betreffen.

Mit ihren langen Armen umfasst sie nicht nur die logischen, sondern auch die irrationalen Aspekte des Daseins, denn sie macht keine halben Sachen, sondern befürwortet die vollkommene Aufklärung des Geistes. Ihre metaphysische Grunddisziplin ist das Mikroskop der Existenz und verhilft eben auch dazu, mystische Aussagen zu klären wie „Tote zum Leben erwecken“ oder „Blinde sehend machen“.

Im Buch Der Staat bemerkt Platon: „So stelle dir denn dasselbe auch bei der Seele vor. Wenn sie sich auf das richtet, worauf die Wahrheit herabscheint und das Seiende, so sieht sie es auf einmal ein und erkennt es nun, und es zeigt sich, daß sie Einsicht hat. Richtet sie sich aber auf das, was mit Finsternis vermischt ist, auf das Werdende und Vergehende, so meint sie nur, wird schwachsinnig und ändert ihre Meinungen hin und her.“