Die wahre Philosophie

Wir haben die Ressourcen unseres Heimatplaneten im Verlauf der Zivilisation reichlich genutzt und die Wissenschaften entwickelten sich zu beachtlicher Blüte, auch um unser Wohlergehen zu verbessern. Wir sollen glücklich und zufrieden auf dem Erdenrund leben, doch diesem beseelten Zustand sind wir im Großen und Ganzen nicht näher gekommen, sondern haben uns in dogmatische Muster verstrickt, die Streit, Hass und Gewalt zur Folge haben.

Du und ich - wir sind eine Menschheit, doch dies ist herzlosen Menschen nicht bewusst. Die religiösen Auseinandersetzungen sind nur ein Beispiel unserer gegenseitigen Abspaltung, die keine reine Lebensfreude aufkommen lässt. Diesbezüglich äußert sich der Priester Abbé Pierre zu Recht: „Worauf es heute ankommt, ist nicht der Unterschied zwischen Gläubigen und Ungläubigen, sondern zwischen Menschen mit Herz und denen ohne Herz.“

Weiß Gott ist alles im Fluss, und wenn wir uns für Herzensbildung erwärmen, läuft nichts mehr aus dem Ruder. Hier kann es von erheblichem Nutzen sein, die wahre Philosophie als Lotse mit ins Boot zu holen. Sie bietet vernunftbegabten Menschen schon seit Tausenden von Jahren eine Hilfe zur Lösung aller problematischen Lebenslagen an, und das Philosophieren wird getragen von einer natürlichen Neugier an ursprünglichen Fragestellungen.

Die wahre Philosophie umfasst mit ihren langen Armen nicht nur rationale, sondern auch irrationale Aspekte des Daseins, denn sie dient der völligen Aufklärung. Ihre metaphysische Grunddisziplin ist das Mikroskop der Existenz, das sichtbar macht, wie wir seelische Gesundheit erlangen und zum Licht streben. Wahrhaftig ist unser Zusammenleben einfacher, wenn wir nicht an das denken, was uns trennt, sondern das sehen, was uns verbindet.

Im Buch Der Staat bemerkt Platon: „So stelle dir denn dasselbe auch bei der Seele vor. Wenn sie sich auf das richtet, worauf die Wahrheit herabscheint und das Seiende, so sieht sie es auf einmal ein und erkennt es nun, und es zeigt sich, daß sie Einsicht hat. Richtet sie sich aber auf das, was mit Finsternis vermischt ist, auf das Werdende und Vergehende, so meint sie nur, wird schwachsinnig und ändert ihre Meinungen hin und her.“