Intuition und Kreativität

Intuition ist das Sprungbrett der Kreativität, die als geniale Fähigkeit gilt, etwas noch nie da Gewesenes zu erschaffen. Wenn wir den vorlauten Verstand zügeln, können wir einen stillen Einblick in das Unbewusste erlangen und das Nichtwissen ausloten, denn Scheinwissen gehört in die Schublade und gelebte Weisheit auf den Tisch. Wahrhaftig sollten wir nicht so stolz auf unser altes Wissen sein, denn ausgetretene Pfade haben noch nie zu neuen Erkenntnissen geführt - das elektrische Licht wurde nicht durch die Optimierung der Kerze erfunden.

Es entwickeln sich innovative Ideenkeime, wenn wir uns der stillen Quelle des Lebens hingeben, um der Intuition zu lauschen, denn je tiefer die Stille ist, desto höher ist die Inspiration. Jeder neue Tag ist eine Wundertüte, die voller Überraschungen steckt - die wir weiß Gott nicht rational, sondern nur intuitiv erfassen können, um die Kreativität im wahrsten Sinn des Wortes zu fördern. Die rationale Bezirksverwaltung im Land der Neuronen verfügt nur über einen kleinen Arbeitsbereich, während das gesamte Gehirn pro Sekunde viele Millionen Bits verarbeitet.

Das Leben schöpft aus dem Vollen und aus dem kreativen Fluss des Daseins können wir einen reichen Ideenschatz an Land bringen. Wenn es darauf ankommt, kreativ zu sein, können wir die intuitive Kraft nutzen, die in uns wirkt. Dann kommt etwas Neues ins Spiel, das nicht mehr in den alten Rahmen passt. Wenn wir im „kreativen Halt“ mit Wahrscheinlichkeiten jonglieren und paradoxe Gedankensprünge machen, können wir alle offenen Möglichkeiten morphologisch durchforschen und darstellen - dann rückt die schöpferische Freiheit ins Zentrum der Innovation.

Dieser Artikel soll andeuten, dass die Intuition tiefgründiger ist als Wissen, das sich nur auf rationale Überlegungen stützt. Um ein kreatives Klima zu schaffen, sollten wir uns in die Intuition zurückfallen lassen, um von dort zur Intelligenz zu gehen, denn von der Mündung kommen wir nicht zur Quelle. Albert Einstein machte dazu die folgende Aussage: „Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Geist ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat“.

Und der Lebensphilosoph Henri Bergson, der für sein Werk "Schöpferische Evolution" den Nobelpreis für Literatur erhielt, beschreibt es in diesem Buch so: „Auf dem Weg der Wissenschaft, die ihr Werk ist, wird die Intelligenz uns die Geheimnisse der physikalischen Vorgänge nach und nach immer restloser enthüllen; vom Leben hingegen bringt sie uns lediglich - und auch nur darauf erhebt sie übrigens einen Anspruch - eine Übersetzung in die Kategorien der Leblosigkeit. Ins Innere des Lebens selbst jedoch würde uns die Intuition führen, will sagen der interesselose, seiner selbst bewußt gewordene Instinkt, der fähig wäre, über seinen Gegenstand zu reflektieren und ihn endlos zu erweitern“.