Intuition und Kreativität

Intuition ist das Sprungbrett des Erkenntnisgewinns, und wenn wir der intuitiven Stimme lauschen, können wir geniale Einsichten erlangen. Wenn wir den diskursiven Verstand zügeln, können wir einen tiefen Einblick in das kollektive Unbewusste gewinnen und das wertvolle Nichtwissen ausloten, denn Scheinwissen gehört in die Schublade und gelebte Weisheit auf den Tisch. Diesbezüglich sagte schon Sokrates vor mehr als 2.000 Jahren durch die Blume: „Ich weiß, dass ich nicht weiß“. Tatsächlich sollten wir nicht so stolz auf unser altes Wissen sein, denn ausgetretene Pfade haben noch nie zu neuen Erkenntnissen geführt; das elektrische Licht wurde nicht durch die Optimierung der Kerze erfunden.

Um innovatives Neuland zu betreten, bedarf es einer offenen Geisteshaltung, die eine ideale Grundvoraussetzung für kreative Geistesblitze ist. Kinder können uns ein brilliantes Vorbild sein, denn die kindliche Neugierde ist ein Dünger, der gute Früchte trägt. „Wer nicht zeitlebens gewissermaßen ein großes Kind bleibt, sondern ein ernsthafter, nüchterner, durchweg gesetzter und vernünftiger Mann wird, kann ein sehr nützlicher und tüchtiger Bürger dieser Welt sein; nur nimmermehr ein Genie.“; so formuliert es der Philosoph Arthur Schopenhauer.

Das wahre Leben schöpft aus dem Vollen, und dies deutet an, dass wir aus dem Fluss des Daseins einen reichen Ideenschatz an Land bringen können. Wenn es wirklich darauf ankommt, kreativ zu sein, können wir die intuitive Kraft nutzen, die in uns wirkt. Dann kommt etwas absolut Neues ins Spiel, das nicht mehr in den alten Rahmen passt. Wenn wir im „kreativen Halt“ mit paradoxen Wahrscheinlichkeiten jonglieren und das Pferd von hinten aufzäumen, können wir alle offenen Möglichkeiten morphologisch durchforschen und darstellen.

Dieser Artikel soll andeuten, dass die Intuition tiefgründiger ist als Wissen, das sich nur auf rationale Überlegungen stützt. Um ein kreatives Klima zu schaffen, müssen wir uns in die Intuition zurückfallen lassen, um von dort zur Intelligenz zu gehen, denn von der Mündung kommen wir nicht zur Quelle. Albert Einstein macht dazu die folgende Aussage: „Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Geist ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat“.

Der Lebensphilosoph Henri Bergson, der für sein Buch Schöpferische Evolution einen Literaturnobelpreis erhielt, beschreibt es in diesem Werk so: „Auf dem Weg der Wissenschaft, die ihr Werk ist, wird die Intelligenz uns die Geheimnisse der physikalischen Vorgänge nach und nach immer restloser enthüllen; vom Leben hingegen bringt sie uns lediglich - und auch nur darauf erhebt sie übrigens einen Anspruch - eine Übersetzung in die Kategorien der Leblosigkeit. Ins Innere des Lebens selbst jedoch würde uns die Intuition führen, will sagen der interesselose, seiner selbst bewußt gewordene Instinkt, der fähig wäre, über seinen Gegenstand zu reflektieren und ihn endlos zu erweitern“.