Philosophie Convent

Philosophie und Metaphysik

Seitdem unsere Vorfahren den aufrechten Gang erlernt haben, entwickelt sich die Menschheitsgeschichte, und die Philosophie deutet die Welt und die menschliche Natur. Sie gibt immer wieder ihre Forschungsergebnisse preis, auch um ein harmonisches Zusammenleben zu ermöglichen. Diesen ethischen Wert können wir alltäglich beherzigen, doch wenn es an seelischer Gesundheit mangelt, können sich Hass, Gewalt und Zerstörung ausbreiten - ein Blick in die Geschichtsbücher oder Tagesnachrichten unterstreicht diese Feststellung.

Du und Ich sind ein Wir, doch das herzliche Mitgefühl, das nicht das „Entweder Oder“, sondern das „Sowohl als Auch“ wertschätzt, empfinden diejenigen nicht, die mit sich im inneren Krieg sind. Religiöse Auseinandersetzungen sind nur ein Beispiel für inneren Unfrieden, der kein Miteinander aufkommen lässt. Der Priester und Emmaus-Gründer Abbé Pierre äußert sich zu Recht: „Worauf es heute ankommt, ist nicht der Unterschied zwischen Gläubigen und Ungläubigen, sondern zwischen Menschen mit Herz und denen ohne Herz.“

Um ungesunde Konflikte zu bereinigen und verschiedene Meinungen unter einen einzigen Hut zu bringen, betrachtet die Philosophie die These, die Antithese und die Synthese. Sie beleuchtet ganzheitliche Aspekte des Lebens, die mit Rationalität nicht vollkommen erfasst werden können, denn zum Leben an sich zählen auch nicht-rationale, also intuitive und kreative Elemente. Alles in allem zeichnet sich die Mutter der Wissenschaften durch eine aufklärende Vorgehensweise aus, um erkenntnisreiche Lösungen zu erarbeiten.

Schließlich weist die Philosophie auf die Kunst des Lebens hin, die einhergeht mit der Kunst des Liebens, denn zum Philosophieren gehört natürlich auch, sich mit dem Sein vertraut zu machen, das uns wirklich lebendig macht. Leben lernen bedeutet Lieben lernen und die metaphysische Grunddisziplin der Philosophie ist das Mikroskop der Existenz, das verdeutlicht, wie wir uns seelisch läutern und Selbsterkenntnis in der zeitlosen Gegenwart erlangen können, um ein Licht zu sein, das jedem Mensch leuchtet, der zur Welt kommt.

Im Buch Politeia (Der Staat), welches bis heute ein wirkungsreiches Werk der abendländischen Philosophie ist, bemerkt Platon: „So stelle dir denn dasselbe auch bei der Seele vor. Wenn sie sich auf das richtet, worauf die Wahrheit herabscheint und das Seiende, so sieht sie es auf einmal ein und erkennt es nun, und es zeigt sich, daß sie Einsicht hat. Richtet sie sich aber auf das, was mit Finsternis vermischt ist, auf das Werdende und Vergehende, so meint sie nur, wird schwachsinnig und ändert ihre Meinungen hin und her.“