Philosophie Convent

Reifung und Weisheit

Der Mensch kann spirituell über sich hinauswachsen bis zur immanenten Transzendenz. Abraham Maslow besagt: „Ausschau nach den höchsten Werten in der Welt zu halten, zu denen wir aufschauen können, hilft, sie in uns hervorzubringen und zu stärken.“ Die höchste Herausforderung der Existenz ist, auf dem Lebensweg empor zu schreiten zur hochgelobten Weisheit, die uns ein weitsichtiges Bewusstsein ermöglicht, und wenn die Grundbedürfnisse abgesichert sind, kann uns die himmlische Dimension der Existenz begeistern.

Wenn die Talsohle durchschritten ist, kann uns der höchste Gipfelpunkt das Lebens inspirieren, darauf weist auch ein Zitat der Schriftstellerin Pearl S. Buck hin: „Das Leben ist das Wunder, von dem wir alle durchdrungen sind ...“ Das persönliche Leben besteht aus vielen Tagen und jeder neue Tag kann zauberhafte Einsichten offenbaren, die nie zuvor gegeben waren. Das Wunder des Lebens möchte in seinem kreativen Entfaltungsdrang nicht begrenzt werden und es kann das Bedürfnis aufkommen, sich persönlich zu entwickeln und spirituell zu reifen.

Der Mensch ist ein Bedürfniswesen und der Lockruf der Reifung weckt das Bedürfnis, den Berg der Erkenntnis zu ersteigen. Dort können wir das Sein über das Haben stellen, mit heiterer Gelassenheit über den Dingen stehen und das gesamte Potential wachrufen, das in uns schlummert. Friedrich Nietzsche bringt im Werk Menschliches, Allzumenschliches die folgenden Sätze zu Papier: „Im Gebirge der Wahrheit kletterst du nie umsonst. Entweder du kommst schon heute weiter hinauf, oder du übst deine Kräfte, um morgen höher steigen zu können.“

Kein anderer Mensch kann für uns selbst emporsteigen, wir müssen es in eigenen Schuhen tun. Beim wagemutigen Aufstieg sind Intuition und Vernunft die Steigeisen des Erkenntnisgewinns, die den Gedankenmüll entsorgen, der schwer auf den Schultern liegt. Wenn kein Ballast mehr im geistigen Rucksack vorhanden ist, können wir die hohe Bergspitze erklimmen und das spirituelle Gipfelerlebnis erleben. Über den dunklen Wolken der Glaubenssätze ist die Freiheit grenzenlos und am Gipfel beflügelt uns die göttliche Weisheit mit der Leichtigkeit des Seins.

Hermann Hesse bringt es im Werk Siddhartha auf den Punkt: „Weisheit ist nicht mitteilbar. Weisheit, welche ein Weiser mitzuteilen versucht, klingt immer wie Narrheit.“ „Scherzest du?“ fragte Govinda. „Ich scherze nicht, ich sage, was ich gefunden habe. Wissen kann man mitteilen, Weisheit aber nicht. Man kann sie finden, man kann sie leben, man kann von ihr getragen werden, man kann mit ihr Wunder tun, aber sagen und lehren kann man sie nicht. Dies war es, was ich schon als Jüngling manchmal ahnte, was mich von den Lehrern fortgetrieben hat.“