Wozu dient die Philosophie?

Wir haben die Ressourcen unseres Heimatplaneten im Verlauf der Menschheitsgeschichte reichlich ausgenutzt und enorme Fortschritte auf wissenschaftlichem Gebiet gemacht, auch um das persönliche Wohlergehen zu verbessern. Wir möchten glücklich sein, doch diesem beseelten Zustand sind wir im Großen und Ganzen nicht näher gekommen, sondern haben uns in dogmatische Muster verstrickt, die voller Streit, Hass und Gewalt sind.

Tatsächlich ist das menschliche Miteinander nicht immer einvernehmlich - die religiösen Auseinandersetzungen sind nur ein deutliches Beispiel unserer gegenseitigen Abspaltung, die keine reine Lebensfreude aufkommen lässt. Im Bezug auf das Christentum äußert sich Friedrich Nietzsche zu Recht: „Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne: erlöster müssten mir seine Jünger aussehen!“

Weiß Gott läuft die Zwischenmenschlichkeit erst rund, wenn keine egoistischen Sandkörner in das harmoniebedürftige Weltgetriebe geraten. Da ist es nützlich, die Philosophie mit ins Spiel zu bringen, denn sie bietet Menschen seit Jahrtausenden ihre Hilfe an, um Antworten auf wichtige Fragen zu finden oder problematische Situationen zu klären, die unversöhnlich sind, schwer auf den Schultern liegen oder uns aus der Bahn werfen.

Philosophie ist die Mutter aller Wissenschaften, die mit ihren langen Armen die wesentlichen Aspekte des Daseins umfasst und ganz besonders darauf hinweist, dass wir den Frieden auf Erden nur mehren können, wenn wir den Unfrieden in uns selbst mindern. Ihre metaphysische Grunddisziplin ist das Lichtmikroskop der Existenz, das sichtbar machen kann, wie wir innere Konflikte bereinigen und seelische Gesundheit erlangen.

Im Buch Der Staat bemerkt Platon: „So stelle dir denn dasselbe auch bei der Seele vor. Wenn sie sich auf das richtet, worauf die Wahrheit herabscheint und das Seiende, so sieht sie es auf einmal ein und erkennt es nun, und es zeigt sich, daß sie Einsicht hat. Richtet sie sich aber auf das, was mit Finsternis vermischt ist, auf das Werdende und Vergehende, so meint sie nur, wird schwachsinnig und ändert ihre Meinungen hin und her.“